ONOHA ITTŌ-RYŪ HYŌHŌ
Die Schule und ihr Curriculum
Die Onoha Ittō-ryū zählt zu den bedeutendsten Schwertkampfschulen (kenjutsu) Japans. Das System wurde um 1630 von Ono Jirōuemon Tadaaki in direkter Nachfolge des Schwertvirtuosen Itō Ittōsai gegründet. Durch die Anerkennung als offizielle Hofschule der Tokugawa-Regierung hat sie über die Jahrhunderte viele berühmte Fechtmeister und eine große Anzahl von Ausprägungen hervorgebracht. So etwa nahmen die Nakanishi-ha Ittō-ryū und Hokushin Ittō-ryū starken Einfluss auf die Entwicklung des modernen Kendō.
Das Curriculum der Onoha Ittō-ryū umfasst mehr als 150 Verfahren (kumitachi), die mit Schwertern unterschiedlicher Länge ausgeführt werden. In Technikserien wie ōdachi, ai-kodachi, goten oder tachiai-battō steht stets die Kontrolle der Zentrallinie im Mittelpunkt. Besondere Merkmale der Schule sind das Tragen kräftiger Unterarmprotektoren (onigote) seitens des Angreifenden und die Verwendung besonders langer Blankschwerter (habiki). Darüber hinaus umfasst das System eine Vielzahl geheimer Strategien, die bis heute nahezu unverändert überliefert wurden. Das zentrale Prinzip der Onoha Ittō-ryū schlägt sich in der Wendung ittō suniwachi bantō nieder – "Ein Schwert wie Zehntausend Schwerter". Bekannt ist die Schule für ihren kiri-otoshi genannten Niederschnitt, in dem Abwehr und Angriff miteinander verschmelzen.
Zur Geschichte der Onoha Ittō-ryū
Die Ittō-ryū wurde in der späten Muromachi-Zeit von Itō Ittōsai Kagehisa (ca. 1550~1644) gestiftet. Er wuchs als Waisenkind in der Küstensiedlung Itō auf und verbrachte seine Zeit mit selbst erdachten Fechtübungen. Nachdem der junge Yagorō das Dorf von einer marodierenden Räuberbande befreit hatte, machte er sich auf den Weg in die Hauptstadt. Während seiner Exerzitien am Tsurugaoka Hachiman-Schrein wurde er des Nachts hinterrücks aus der Dunkelheit angegriffen. Unversehens zog er sein Schwert und schlug den Gegner mit einem Streich (hitotsu-gachi) nieder. Um seine Technik zu
vervollkommnen studierte er in Edo Chūjō-ryū unter Kanemaki Jissai, der für seine exzellenten Kurzschwerttechniken bekannt war. Nachdem er die Lehren der Schule gemeistert hatte, begab sich Yagoro auf Kriegerwallfahrt (musha-shugyō). Während dieser Reisen durch Ost- und Zentraljapan änderte er seinen Namen in Itō Kagehisa und betitelte seinen Fechtstil erstmals als Ittō-ryū. Schließlich ließ er sich in Kyotō nieder, eröffnete dort ein Dōjō und erhielt den Namen Ittōsai. Nach dem vereitelten Mordversuch einer rivalisierenden Fechtschule begab er sich erneut auf Wanderschaft.
Insgesamt kämpfte Ittōsai unbesiegt in 33 Duellen. Auf der Reise nach Ōsaka begegnete er am Fluss Yodo einem Fährmann namens Ono Zenki. Von ihm zum Kampf herausgefordert, besiegte Ittōsai diesen und akzeptierte Zenki als Schüler. Auf Ittōsais dritter Kriegerwallfahrt duellierte er sich in der Provinz Awa mit Mikogami Tenzen, der ebenfalls zu seinem Anhänger wurde. Im Jahr 1588 erzwang Ittōsai das berühmte Duell bei Konegahara zwischen den beiden Schülern, welches über die Erbfolge seiner Schule entscheiden sollte. Mikogami gewann den Kampf und nannte sich fortan Ono Jirōemon.
Ono Jirōemon Tadaaki (1569-1628) seinerseits initiierte die Onoha Ittō-ryū. Er wurde von Tokugawa Hidetada zum kenjutsu shinan-yaku berufen und erhielt von diesem den Namen Tadaaki. In seiner Funktion als Fechtmeister des Miliärregenten diente er auch dem dritten Shogun. So konnte sich die Onoha Ittō-ryū zu einer der einflussreichsten ryūha der Edo-Zeit (1602-1868) etablieren. Tadaaki war als herausragender Schwertkämpfer bekannt und zählte zu den besten Speerkämpfern in der Schlacht um Schloss Ueda (1660). Tadaakis Sohn, Ono Jirōemon Tadatsune (1600-1691), gilt als dritte Stifterfigur der Onoha Ittō-ryū. Auch das dritte Oberhaupt, Ono Jirōemon Tadao (1639-1712), diente unter drei Generationen von Militärregenten.
Dessen Adoptivsohn, Ono Jirōemon Tadakazu, überlieferte die Fechttradition an den daimyō von Tsugaru, Tsugaru Nobumasa. Sein Nachfolger, Tsugaru Nobutoshi brachte die Überlieferung in die Familie Ono zurück. Seit jener Zeit tradierten sowohl die Familie Ono als auch das Tsugaru-Geschlecht die Onoha Ittō-ryū fort. Zum Ende des 18. Jahrhunderts unterwies Ono Tadayoshi einen Vasallen der Tsugaru, der als Yamaga Hachirōzaemon Takami Ruhm erlangte. Bis in die Taisho-Zeit (1912-1926) trugen die Familien Tsugaru und Yamaga das System gemeinsam weiter.
Damals erbte Sasamori Junzō (1886-1976) als legitimes Oberhaupt (sōke) die Onoha Ittō-ryū und führte die Traditionslinien wieder zusammen. Unter seiner Leitung wurde 1956 der Reigakudō eröffnet. Heute führt sein Sohn Sasamori Takemi in der 17. Generation das Erbe der Onoha Ittō-ryū fort. Sasamori-sōke unterrichtet im Reigakudō neben Onoha Ittō-ryū ebenfalls Shinmusō Hayashizaki-ryū Battōjutsu und Chokugen-ryū Ōnaginatajutsu. Das Shinmyōkan-Dōjō pflegt intensive Kontakte zum Reigakudō in Tōkyō sowie dem Onoha Ittō-ryū Reigakudō Deutschland.