Ryūsuikai Aikibudō

Die Schule und ihr Curriculum

Aikibudō ist eine traditionsreiche japanische Kampfkunst, welche als Vorläufer des modernen Aikidō bekannt ist. Bei Ryūsuikai Aikibudō im Speziellen handelt es sich um ein Nahkampfsystem, welches sich gegen Ende der 1980er Jahre unter Leitung von Gustav Udo Bender entwickelte und in der Erbfolge des Daitō-ryū Aikibudō steht.

Den Schwerpunkt des Ryūsuikai Aikibudō 流水会合気武道 bildet die überwiegend waffenlose Nahkampfmethode aikijūjutsu. Rund 150 Techniken werden in Form festgeschriebener Bewegungsabläufe (kata) vermittelt und sind übersichtlich gegliedert: Shoden, chūden und okuden bilden die drei übergeordneten Kataloge, die wiederum in kleinere Technikserien zerfallen. Aus der Übertragbarkeit der Prinzipien auf unterschiedliche Waffenarten resultiert ein umfassendes budō-System. Weitere Bereiche des Curriculums sind dem Umgang mit Stock (), Dolch (tanken) und Eisenfächer (tessen) gewidmet. Die praktischen Lehrgehalte werden ergänzt durch die Vermittlung philosophischer Aspekte sowie durch die Unterweisung in historischem Ideengut.


Ryūsuikai Aikibudō (futaridori)
© Franz Häusler / Ryūsuikai 2013

Zur Geschichte des Aikibudō

Dem Gründungsmythos zufolge liegen die Wurzeln des Aikibudō in einer göttlichen Kampftechnik namens tegoi, welche ebenfalls die sagenhafte Grundlage des sumō-Ringens bildet. Der Legende zufolge modifizierte Kaiser Seiwa im ausgehenden 9. Jahrhundert das althergebrachte Ringkampfsystem und schuf daraus eine Kampfkunst, die er an seine Nachkommen überlieferte. In der sechsten Generation gelangte die Tradition an Shinra Saburō Minamoto Yoshimitsu (1045-1127), der als hervorragender Bogenschütze und großer Stratege galt. Als dieser eine Spinne bei der Jagd beobachtete, offenbarten sich ihm die Mysterien der Harmonisierung entgegengesetzter Kräfte (aiki). Im Namen des gelehrten Aristokraten wurden die Techniken erstmals methodisch zusammengefasst. Das entstandene System erhielt in Anlehnung an seine Residenz die Bezeichnung Daitō-ryū.

Sein Sohn Minamoto Yoshikiyo wurde in die Provinz Kai verbannt und änderte seinen Familiennamen in Takeda. Zwölf Generationen später gelangte die Kampfkunst an den berühmten Kriegsherren Takeda Shingen (1521-1573). Vor der Niederlage des mächtigen Kriegerclans bei der Schlacht von Nagashino im Jahre 1575 wurde die Lehre von Takeda Kunitsugu nach Aizu gebracht, wo sie Jahrhunderte lang unter der Bezeichnung gotenjutsu weitergegeben wurde. Nur den Mitgliedern der Daimyō-Familie und einer geringen Anzahl von Samurai war es gestattet, diese hohe Kunst zu erlernen. Darüber hinaus nahm das oshikiuchi des Aizu-Clans maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Aikibudō. Am Hofe des Shōgun Tokugawa Ietsuna entwickelte dessen Halbbruder Hoshina Masayuki (1611-1672) Kampftechniken, die eigens für den Gebrauch in den engen Kammern von Schloss Edo konzipiert waren. Die Daitō-ryū der Familie Takeda und das oshikiuchi des Lehnsherren Hoshina wurden zunächst separat überliefert.

Während der Meiji-Zeit verknüpfte Takeda Sōkaku (1859-1943) die beiden Systeme miteinander und unterrichtete diese Synthese unter dem Namen Daitō-ryū Aikijūjutsu. Des Weiteren meisterte er die Lehren der Onoha Ittō-ryū, Jikishinkage-ryū und Hōzōin-ryū Takadaha. Sōkakus wohl bekanntester Schüler war Ueshiba Morihei, der Begründer des modernen Aikidō. Gleichwohl gab er die Tradition an seinen Sohn Takeda Tokimune weiter. Heutzutage gibt es mehrere Organisationen, die das kriegerische Erbe des Aizu-Clans weitertragen. Derzeitiges Oberhaupt (sōke-dairi) des Daitō-ryū Aikijūjutsu ist Kondō Katsuyuki.

Der Initiator des Ryūsuikai Aikibudō, Gustav Udo Bender, begann 1969 mit dem Training des Nippon Jūjutsu unter Harald Böhmer und Alfred Hasemeier in Köln. Durch Kontakte der European Jujutsu Federation zum Yōseikan und Nippon Seibukan erlernte er die Prinzipien des Daitō-ryū Aikibudō und des Gojū-ryū Karate von Meistern wie Mochizuki Minoru und Suzuki Masafumi. In den Folgejahren bereiste er Europa, um diverse Budō-Systeme zu studieren. 1988 begann er als Lehrer in verschiedenen Dōjō traditionellen Stockkampf zu unterrichten. Wenige Jahre später kam es im Rahmen der Verbreitung des Aikibudō in Deutschland zu einer engen Zusammenarbeit mit Meistern anderer Stilrichtungen, woraufhin sich das Ryūsuikai Aikibudō – auch Nagaremizu-ryū genannt – herausbildete. Heute versteht sich die Schule als lebendiges und zugleich traditionsgeladenes Kampfkunstsystem. Der Shinmyōkan pflegt engen Kontakt zum Ryūsuikai in Euskirchen.


Öffentliche Vorführungen

36. Nihon Kobudō Embu-Taikai, Daitō-ryū Aikijūjutsu
(10. Februar 2013, Nippon Budōkan)

Takeda Sōkaku Ō-50-nensai Daitō-ryū Aikibudō Kinen Embu-Taikai
(4. Oktober 1992, Nippon Budōkan)